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Häuserfronten an einem Fluss in der Dunkelheit, darüber Polarlichter am Himmel.
Ein Erfahrungsbericht

Erasmus an der NTNU in Trondheim (WS 19/20)

Eine Studierende des Instituts berichtet über ihren Aufenthalt in Norwegen.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für mein Auslandssemester waren zunächst recht chaotisch, da nicht ganz klar war, wer mein Ansprechpartner an der Gasthochschule sein würde. Zudem fing ich erst relativ kurzfristig vor Bewerbungsschluss mit der Planung an, sodass ein wenig Stress aufkam. Die Bewerbung an der Gasthochschule lief jedoch problemlos ab, man kann sich im Internet sehr ausführlich informieren und auch bei individuellen Fragen wurde mir immer kompetent geholfen. Man merkt, dass die NTNU viel Erfahrung mit der Aufnahme von Erasmusstudenten hat.

Anzumerken ist, dass das Semester in Norwegen bereits Anfang August beginnt. Dies verkürzte die vorlesungsfreie Zeit für mich auf ca. zwei Wochen, in denen ich noch allerhand Organisatorisches zu tun hatte.

Unterkunft

Die Organisation Sit unterhält die meisten Studentenunterkünfte in Trondheim, und da ich vor Semesterbeginn an einem Sprachkurs teilnahm, wurde mir eine Unterkunft garantiert. Ich wohnte im Moholt Student Village in einer WG mit drei wundervollen Mitbewohnerinnen. Mein 10 m2 Zimmer war mit Bett, Schrank, Schreibtisch und einem Stuhl möbliert (was nicht in allen Unterkünften der Fall ist), das Bad war recht geräumig und die große Küche mit guten Geräten inklusive Spülmaschine  ausgestattet. Jede Woche gab es einen Sauberkeitscheck der gemeinsam genutzten Räume.

Blick aus dem Fenster über Moholt in der Dämmerung; Häuser, dazwischen Wiese und Fußwege.
Blick über Moholt aus dem Küchenfenster

Es gibt einen großartigen Service namens ReStore, bei dem man sich kostenlos Möbel und andere Gegenstände wie Kleiderbügel, Geschirr, Schreibtischlampen usw. besorgen kann. Am Ende des Semesters kann man dort seine Sachen wieder spenden, sodass die nächsten Austauschstudenten sich darüber freuen können.

Moholt liegt auf einem Hügel ca. 3 km vom Stadtzentrum Trondheims entfernt und ist sehr gut an den ÖPNV angebunden. Sowohl der Campus Dragvoll, wo die Geisteswissenschaften untergebracht sind, als auch der Hauptcampus Gløshaugen, sind aber genauso gut in maximal 30 Minuten zu Fuß erreichbar.

Zum Einkaufen gibt es genug Auswahl in direkter Umgebung der Wohnungen, z.B. einen Laden, der asiatischen Lebensmittel anbietet und einen Supermarkt, der auch sonntags geöffnet hat. Zur Eingrenzung der Kosten gibt es eine App, in der man die aktuellen Angebote aller Supermärkte ansehen kann.

Studium an der Gasthochschule

Vor Beginn des eigentlichen Semesters nahm ich an einem zweiwöchigen Norwegisch-Intensivkurs teil, der auch ein üppiges Freizeitprogramm mit einer Stadtrallye, Wanderungen, einem Wochenendtrip und vielen anderen Aktivitäten beinhaltete. Für alle internationalen Studierenden gibt es eine Orientation Week. Leider überschneidet diese sich mit dem Sprachkurs, aber da alle Angebote der Orientation Week auch im Kurs abgedeckt werden ist das kein Problem.

Das Kursangebot an der NTNU ist abwechslungsreich und interessant; zu jedem Kurs gibt es ausführliche Informationen auf der Website der Universität. Auch die Kurswahl selbst ist unkompliziert und das benutzte System intuitiv bedienbar. Ich belegte drei Kurse: Theoretical Approaches to English Language, Sociolinguistics und Semantics and Pragmatics. Alle Dozenten und ihre Assistenten waren sehr kompetent, nett und hilfsbereit. Auch dadurch, dass sich alle duzen, entsteht im Allgemeinen eine entspannte Lernatmosphäre. Es wurden Übungen zu den Kursen angeboten, in denen man Fragen stellen und die Inhalte vertiefen konnte. Meine Klausuren fanden allesamt in einem riesigen Saal mit hunderten anderen Studenten statt, was ziemlich ungewohnt war, und ich schrieb an meinem eigenen Laptop, auf dem ich dafür vorher ein Programm installieren musste.

Alltag und Freizeit

Trondheim ist eine wunderschöne Stadt und hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. Für Wanderungen und Ausflüge ins Grüne bietet sich das Naherholungsgebiet Bymarka an. Es liegt westlich der Stadt und ist auch ohne Auto gut zu erreichen. Im Sommer laden die Stauseen zum Schwimmen ein und im Winter kann man Ski fahren. Auch in der weiteren Umgebung gibt es für Naturfreunde viel zu tun, so kann man sich beispielsweise beim studentisch geführten Sportverband NTNUI eine Hütte mieten. Mit ein bisschen Glück bekommt man ab Ende September Nordlichter zu sehen.

Auch wer kulturell interessiert ist, kommt auf seine Kosten. Nicht nur der Nidarosdom ist einen Besuch wert, es gibt auch Museen, Galerien, Kunst und Musik zu erleben, teils kostenlos. Besonders ist auch das Kulturfestival UKA, das alle zwei Jahre im Oktober stattfindet. Von fast 2000 Studenten organisiert, werden dreieinhalb Wochen lang unzählige Konzerte, eine Revue und andere Veranstaltungen angeboten.

Ich selbst habe mich für meine Zeit in Trondheim einem Orchester angeschlossen, wo ich mich nicht nur musikalisch weiterentwickeln konnte, sondern vor allem viele großartige Leute kennenlernen durfte und richtig in die norwegische Kultur und Sprache eingetaucht bin.

Studentin in norwegischer Schneelandschaft, blauer Himmel, Wald im Hintergrund.

Mit meinen Mitbewohnerinnen habe ich mich super verstanden und wir haben oft zusammen gekocht oder gebacken. Im Herbst sind wir zusammen auf die Lofoten gereist, ein absolutes Highlight meines Auslandsaufenthaltes.

Die Lebenshaltungskosten in Norwegen sind in der Tat höher, als man es gewohnt ist. Für den Wocheneinkauf lohnt es sich deshalb wirklich, die Angebote zu checken, insbesondere für frisches Obst und Gemüse. Wer auch mal auswärts essen möchte, ohne dabei pleite zu gehen, sollte das Pizzabuffet der Restaurantkette Egon in Erwägung ziehen. Es gibt mehrere Filialen in Trondheim. Eine davon befindet sich im Tyholt-Turm, der von Moholt ganz einfach zu Fuß erreichbar ist und von dem man einen fantastischen Blick über die ganze Stadt hat.

Fazit

Das Semester in Trondheim war eine unglaublich bereichernde Erfahrung und ich würde es vielleicht sogar als die beste Zeit meines Lebens bezeichnen. Ich habe viel über mich selbst gelernt und immer wieder Ängste überwunden. Ich durfte Menschen aus verschiedenen Kulturen kennenlernen und konnte mein Norwegisch wesentlich verbessern. Ich habe so viele schöne Momente erlebt, die ich für immer in Erinnerung behalten werde.

Jedem, der sich für ein Auslandssemester oder -jahr interessiert, kann ich Trondheim nur wärmstens empfehlen und nahezu garantieren, dass ihr euer Herz ebenso wie ich an diese Stadt und ihre Einwohner verlieren werdet.

Verschneites Trondheim aus der Vogelperspektive.
Trondheim im Schnee